Ethik in der Medizin geht uns alle an

Ethik in der Medizin

Im November 2009 hat der Bundesgerichtshof seine Entscheidung zur Patentierung des Stammzellenverfahrens verschoben. Dies verwundert nicht. Sicher erinnern Sie sich noch: 1998 ist es erstmals gelungen, embryonale Stammzellen aus "überschüssigen" menschlichen Embryonen zu gewinnen. Dies war die Geburtsstunde einer medizinischen Errungenschaft, die fortan in Deutschland zu kontroversersen Diskussionen führte: Sahen die einen in erster Linie die enormen Therapiechancen bei Parkinson & Co., konnten die anderen die dazu unumgängliche Zerstörung von Embryonen nicht tolerieren. Bis heute spaltet die Technik der Stammzellengewinnung die Republik: Sie ist ethisch äußerst umstritten und hierzulande verboten. Spätestens an diesem zentralen Beispiel wird deutlich, dass Ethik in der Medizin ein hochsensibles Thema ist - und das nicht erst seit gestern: Der Eid des Hippokrates gilt nicht zuletzt als Indiz für die Bedeutung der ehthischen Komponente in der Medizin.

Viel diskutiert wird über Patientenverfügungen - auch sie sind ethisch motiviert. Sie dokumentieren nicht zuletzt das Recht auf Selbstbestimmung - in noch gesundem Zustand zu bestimmen, was später im Krankheitsfall medizinisch geschehen soll. Und: Der Bevollmächtigte muss sich in keinem Fall Vorwürfe machen - er hat ja so gehandelt, wie der "Verfüger" es wollte. Auch das ist Ethik in der Medizin. Der Meinung sind Sie bestimmt auch. Eine immer älter werdende Bevölkerung und gleichzeitig immer mehr Möglichkeiten der Medizin zur Lebenszeitverlängerung bei immer weniger gefüllten Kassen umreißen die aktuelle Problematik. Der Kampf um die Ressourcen hat längst begonnen: Das Thema "Zwei-Klassen-Medizin" - auch dies ist eine Frage der Ethik in der Medizin. Die Ärzte sind hier in starkem Maße gefordert, nicht selten auch überfordert - müssen sie doch oft in Sekundenschnelle nicht nur medizinisch, sondern gleichzeitig auch ökonomisch über die beste Therapie entscheiden.

Bestimmt verurteilen auch Sie im Grundsatz medizinischen Missbrauch am Menschen mit diesbezüglichen Experimenten. Doch die zentrale Frage ist, wo fangen Experimente an, und wo hören sie auf: Wie kann sicher gestellt werden, dass das Wohl des Einzelnen immer im Mittelpunkt steht - ohne dabei ihm und anderen Menschen zu schaden? Der Pfad ist hier mitunter sehr schmal - der Weg zur (Vor-)Verurteilung von Ärzten hingegen nicht fern: Moderne Medizin eröffnet eben ungeahnte Möglichkeiten, die geradezu ungehemmten Forschergeist und -ehrgeiz entfachen können - auch mit unerwünschten Konsequenzen. Wer dann aber direkt böse Absichten unterstellt, der urteilt in der Regel vorschnell. Ethikkommissionen an den medizinischen Fakultäten oder Landesärztekammern - in den 1980er Jahren ins Leben gerufen - sollen auch darüber "wachen", dass es bei Forschungsvorhaben erst gar nicht zu unerlaubten Auswüchsen kommt.

Keine Frage: Ethik in der Medizin geht uns alle an - wir alle sind betroffen. Die Öffentlichkeit genauso wie Ärzte und andere Berufsgruppen auf nationaler und internationaler Ebene setzen sich verstärkt mit der Ethikproblematik im medizinischen Bereich auseinander. 1995 hat die Bundesärztekammer hierzulande eine Ethikkommission installiert. Mit ihren Stellungnahmen - auch zur Stammzellenforschung - klärt sie nicht nur auf und bezieht Position, sondern befördert auch den öffentlichen Diskussionsprozess entscheidend. Und auch der Weltärztebund war nicht untätig: Mit seiner 1964 verabschiedeten "Deklaration von Helsinki" hat er weltweit "gültige" ethische Grundsätze zur medizinischen Forschung am Menschen fixiert. Und vielleicht ist ja bald auch die Medizin so weit, dass sich Stammzellen ethisch einwandfrei gewinnen lassen - ohne menschliche Embryonen zu verlieren. Das wäre menschlich - ganz im Sinne der Ethik in der Medizin.

Gerade im Bereich der Schönheitschirurgie ist die Ethik ein ernstzunehmender Punkt. Immerhin möchten heute schon Vierzehnjährige ihren Traumkörper haben und scheuen nicht vor einer Brustvergrößerung zurück. In diesem Bereich stellt sich die Frage ist es Aufgabe der Eltern in punkto Ethik zu entscheiden, oder die der praktizierenden Ärzte. Gerade Ärzte stehen immer wieder vor dem Punkt, was ist ethisch vertretbar. Was kann ich tun ohne mein Gewissen zu beunruhigen. Diese Frage stellt sich nicht nur im Bereich der Schönheitschirurgie. Auch Sterbehilfe gehört zu den großen ethischen Themen unserer Zeit. Sterbehilfe ja oder nein? Und vor allem: Wann und wann nicht?

Eine moralische Frage stellt sich oft auch für Ärzte in Entwicklungsländern. Sie haben sich meist entschlossen sich mit Leib und Seele für ärmere Bevölkerungen einzusetzen und bekommen oft nur wenig Unterstützung. Zwar werden hier nicht unbedingt teure Armaturen und Geräte zur Wasserbeschaffung benötigt, problematisch wird es hingegen mit der Medikamentenversorgung. Oft müssen diese Ärzte ihre Patienten sterben sehen, nur weil schwerreiche Mitarbeiter der Pharmakonzerne zu geizig sind, mehr der benötigten Medikamente zuzusenden. In Deutschland setzen sich verschiedene Gruppen dafür ein indem sie gegen die Pharmaindustrie demonstrieren.

Kosmetische Eingriffe, welche offensichtliche Schönheitsfehler beheben sollen, sind im Vergleich zu einer Schönheitsoptimierung moralisch sicher weniger fraglich. Ein gutes Beispiel eines solchen Falles wären mit Akne geplagte Patienten. Denn Akne sieht nicht nur unschön aus, sondern kann auch unangenehme Reizungen verursachen. Möchte man hingegen lediglich gegen das Altern ankämpfen indem man sich die Haut straffen und andere Eingriffe durchführen lässt, stellt sich wieder die Frage ob dies aus ethischer Sicht vertretbar ist.

Die medizinischen Forschungen bewegen sich auf vielen unterschiedlichen Gebieten. So ist aus moralischer Sicht vor allem auch die Forschung an kosmetischen Produkten interessant. Da häufig Tierversuche mit bei diesen Forschungen angewandt werden, kaufen viele Menschen von Haus aus keine Kosmetik Pflegeprodukte mehr. Der überwiegende Teil aber macht sich keine Gedanken zu der Herkunft der Artikel und kauft solche ohne den Hauch eines schlechten Gewissens. Zwar ist das jedem sein gutes Recht, da man durch das Vermeiden bestimmter Produkte aber schon viel erreichen kann, sollte sich jeder einmal mit dem Thema Tierversuche auseinandersetzen.